Tourtagebuch: Endstation Kater in Tessanoliki

17:44h

Ich sterbe. Schon den ganzen Tag heute. Wir haben den gestrigen Abend bei einem Feuer am Strand verbracht. Und diese emotionale Stimmung in Hinsicht auf den baldigen Abschluss der Tour hatte auch mich mitgerissen. Und heute bezahle ich dafür. Mit einem richtig ausgewachsenem Kater.

Das Wetter ist hier unglaublich. Das sind wahrscheinlich nicht nur gefühlte 35°C bei wolkenlosem Himmel. Ich war wirklich froh, die 3 Stunden bis zum Einchecken ins Hotel (der Anderen) irgendwie hinter mich gebracht zu haben, um eine Stunde einfach nur nichts machen zu müssen.

Wir machen uns auf den Weg zu einem gemeinsamen Abschiedessen- später mehr- und Fotos.

 

 

 

Tourtagebuch, Camping Natura

Ich weiss gar nicht, welcher Tag heute ist. Es fühlt sich nach einem Ende an. Nun langsam wirklich, auch wenn ich noch nicht so richtig fassen kann, was das heisst. Oder heissen wird. Während der Reise habe ich mich als Sammler gefühlt- was sich daraus nun entwickeln wird, zeigt sich in nächster Zukunft. Istanbul, die Stadt, die ich bespielen wollte, ist ja leider ausgefallen. Der Ort an dem wir stattdessen sind- atemberaubend. Unser Tag Off, der auch wirklich wichtig und längst überfällig ist.

Wer mit porzellanumantelten Löchern im Boden (in denen widerlicherweise Frösche wohnen- dazu mehr von Ansgar), anstelle der gewohnten Toiletten klar kommt, wird den Campingplatz Natura als ein Paradies empfinden.

19:22h, Griechenland, Küste

Es ist draußen dunkel. Tagsüber konnte man gefühlt übers Wasser schreiten- jetzt ist es Flut und auch wirklich unangenehm kühl draußen. Die Workshops heute sind mir nicht leicht gefallen. Zum einen, weil ich nicht will, dass es die letzten sind, zum Anderen weil es so wunderschön hier ist.

Jetzt ist die Stimmung in der Crew mehr oder weniger panisch- Sachen packen, Sachen wiederfinden, Orgakram. Valentine bugsiert den Staubsauger durch den Strand, der sich im Bus gebildet hat. Achja- die Texte einreichen für die Berichterstattung in der BZ. Die schreiben sich auch nicht von selbst. Das alles muss alles noch unter den gemeinsamen Hut gequetscht werden. Und es ist wohl allen mehr danach den Abend mit Musik und Wein am Strand ausklingen zu lassen.

Und ein ganz persönlicher Nachtrag- das Thema hat mich den ganzen Tag nicht in Ruhe gelassen- diese widerlichen Frösche, die in den Toilettenlöchern wohnen. Die Abneigung, die ich gegen den Toilettengang entwickelt habe, lässt sich nicht in Worte verpacken. Und die Duschen sind auch dort. Gestern morgen sind wir gegen 2h am Campingplatz angekommen und ich musste raus und wenigstens einmal ins Meer springen. Danach im Sanitärhäuschen des Campingsplatzes habe ich in meiner Dusche einen Frosch entdeckt- und den mitleidig rausgetragen. Und dann eine Art Froschnest unter dem Waschbecken und mit viel gutem Willen,Körpereinsatz und Ehrgeiz nach draußen verlagert. Ungefähr eine Stunde lang. Um Glauben etwas gutes zu tun. Ich ekel mich so unglaublich.

 

Lost in der bulgarischen Pampa

Jap, auch das ist möglich. Unser Bus wurde nicht über die Grenze nach Griechenland gewunken. Und dann muss man umkehren. Oder besser bestechen…. Wir sind sind umgekehrt und haben versucht einen Parkplatz zu finden- auch da war nichts zu machen. Wir stehen irgendwo im Nirgendwo, bzw.- das ist schon eine Stadt- wenn auch eine ganz schön Trostlose. Die Idee in Griechenland an der Küste aufzuwachen…. naja, vielleicht ja morgen :D

Die Meisten aus der Gruppe haben sich aufgemacht ein Hotel oder Spa zu finden und körperliche Bedürfnisse, wie ein Reinlichkeitsbedürfnis nach zu holen. Ich bin da heute eher der Auffassung, dass ich morgen soviel Wasser um mich haben werde, dass das irgendwie ausgleicht. Hust.Ich habe einfach auch einen Hangover aus Varna mitgenommen. Die zwei Tage dort waren grandios. Noch einen Weiteren- ich hätte meine eigene (Straßen-)hundegang gehabt. Die gibt es neben unzähligen Katzen dort für Jede(n). Und die sind ziemlich zutraulich und anhänglich. Andreas lässt sich aber auch nach etlichen Tagen auf Tour nicht davon überzeugen, dass mein Bett groß genug für haarigen Zuwachs ist… Naja, ein paar Tage sind es ja noch.

2 Tage in Varna

Schon der Empfang in Varna war unglaublich- vorab hat das “Solidarische Zentrum” bereits ein Poster und eine Webseite zu unserem Empfang gestaltet- ich konnte natürlich nichts davon lesen, weil es in bulgarisch geschrieben stand, aber anscheinend haben sie jedes einzelne Tourmitglied recherchiert und kurze Teste zu Jedem verfasst. Das hat dafür gesorgt, dass ich mich den Leuten nicht vorstellen musste. Die wussten schon wer ich war. Und sind auf mich zugekommen. Äh…das fühlt sich schon recht seltsam an.Begrüßt wurden wir vom bulgarischen National- TV. Und ausgestrahlt noch am selben Tag, direkt hinter den Kriegsmeldungen. Schon sehr seltsam.

Der Bus hatte direkt am Port geparkt. Nur 2 Minuten bis zum Strand. Und auf dem Weg ein Pool, den man von der Straße aus einsehen konnte. Ich habe das erste Mal in meinem Leben Wasserballetttänzerinnen bei den Proben gesehen.Und im Hintergrund- das schwarze Meer. Ein richtig toller Anblick. Der ein oder die andere, oder sagen wir einfach mal Ansgar hat sich auch sehr darüber erschrocken, dass die Leute hier nicht nackt in den Gemeinschaftsduschen …duschen. Und man sich dann allein zwischen uniformierten Badenixen wiederfindet. Manche Dinge sind hier einfach anders.

Im vom Alice G. und Valentine organisierten Seminar zumThema “Community”, wurde wohl allen recht schnell klar, dass hier auch ein ganz anderer Wind in den Köpfen weht als bei uns daheim. Kommunismus hinterlässt auf jeden Fall seine Spuren- auch nach so langer Zeit auch noch sehr deutlich. Dadurch das den Menschen immer gesagt wurde, was ihre Aufgaben sind, fällt es hier sehr schwer die Leute zu motivieren aus eigenem Antrieb Dinge zu ändern. Am 1. Seminartag hatte ich harte Diskussionen über Themen, wie Eigenverantwortung und was eine Gemeinschaft sein kann. Um so mehr habe ich mich gefreut, die gleichen Leute am nächsten Tag wiedergetroffen zu haben. Mindestens einen Erfolg gibt es für die Zukunft auf jeden Fall schon zu verzeichnen- Das VarnaLab (Hackerslounge) und die Center solidität werden in Zukunft in einigen Projekten enger zusammen und sich gegenseitig unterstützen. Ich denke, es haben beide Seiten viel von einander gelernt in diesen 2 Tagen & Nächten…

 

Irgendwo

DSCI1220Johanna G. und ich haben aber trotz dessen ein schönes Cafe gefunden- La Marquise und chillen hier mit dem WiFi. Ein bisschen sind wir hier die Attraktion. Überall bleiben die Leute stehen, um uns anzusehen und so bilden sich relativ schnell Menschentrauben um uns herum.

In der letzten Zeit war ich mit einem Internetzugang nicht gerade gesegnet. Darum fehlen nun auch ein paar Tage im Tourbuch, die ich noch nachholen muss.

Fotos folgen. Vielleicht.

18:26h Haskovo

So heisst dieser Ort nämlich. Heute schon Slums besichtigt und wieder alte Menschen getroffen, die kaum sehen und hören und Mülltonnen nach Essbarem durchwühlen. Diese Menschen sind wirklich krass, sie wollen kein Geld nehmen, weil sie sich so schämen. Ich habe ihr mein Restgeld regelrecht aufgezwungen. Sowas wünscht man wirklich Niemanden fürs Alter. Ist schon schwer mit an zusehen.

 

Tourtagebuch, Tag 7: Bukarest

…und ein kleiner Nachtrag vom letzten Tag in Cluj- Napoca. Ganz ehrlich- wenn man so lange an einem Ort verweilt, dann fühlt man sich da auch schon richtig zuhause.

Auf nach Bukarest. In der Nacht- Berg hoch, Berg runter. Hin- und hergeschüttelt, haben wir alles wenig von der Schlafphase gehabt. Ich bin für einer bessere Sicht morgens um 5 Uhr zu David in die Fahrerkabine. Da sind uns doch tatsächlich Straßenarbeiter auf einer Kutsche entgegen gekommen. Aber Straßenverkehr ist sowieso relativ, wie ich gelernt habe. Baustellen sehen aus, wie ein 5.te Klasseprojekt. Ich wäre auf keinen Fall da heil vorbei gekommen. Da kann man sich zum Glück auf David verlassen, es wirkt manchmal, als wenn der den Bus dazu bringen kann den imaginären Bauch einzuziehen und so durch engste Stellen zu kommen. Wenn man vom Zugucken was Lernen kann, dann weiss ich jetzt auf jeden Fall, wie man innerorts nachts in der Kurve überholt.

Aufwachen- der Bus steht- gnaz vorsichtiger Blick nach draußen. Hütten und lauter alte Männer- keine Ahnung, wo ich bin. Spooky. Bustür zu, wieder ins Bett. Das soll Jemand anderes klären. Casa Alba, ein Campingplatz, wie ich später erfahre. Da machen auch die Hütten Sinn.

Es ist ist gegen 15h, als wir im Hub Impact begrüßt werden. Die Müdigkeit in unserer Gruppe ist heute nicht zu übersehen. Ich schlafe zwischendrin fast ein. Sowas ist schade, weil es nichts mit fehlendem Interesse zu tun hat, aber man tatsächlich auch Chancen einfach nicht wahrnehmen kann und die Runde nicht in Schwung kommt.

Bukarest ist groß. Zumindest kann man sich hier nicht gemütlich auf die Straße stellen, um dann zu überlegen, wo man eigentlich hin möchte.

Wir fühlen uns hier in einer ziemlich gehobenen Ecke. Wir haben echt einiges an Villen und großen Gebäuden gesehen. Selbst die Straßenhunde sehen zufrieden und gut genährt aus.

Ich habe mir gewünscht gnaz früh ins Bett zu gehen. Jetzt ist es schon wieder Mitternacht, aber ich musste noch die Leute anschreiben, deren Visitenkarten und Kontakte ich im Laufe des Tages eingesackt hatte. Wenn ich das nicht gleich erledige, kann ich das hinterher nicht mehr zuordnen. Und das wäre echt schade.

→// “Tourtagebuch- Tag 5&6: Cluj- Napoca (Rumänien) “

Ein total verschobener Biorhytmus- tagsüber fahrend, nachts feiernd, morgens verschlafen. Wir sind in Cluj- Napoca, einer im Tal gelegenen kleinen (?!?) Stadt Romäniens. Seit letzer Nacht- mit einer Stunde Zeitverschiebung. Rumänien- das ist echt verrückt. Ich war mir so sicher, dass ich ein ziemlich abgerundete Vorstellung davon hatte, wie Rumänien sein würde- bisher stimmt nichts davon- es ist das ganz anders. Und zwar alles- nagut. Das hat natürlich mit den persönlichen Erwartungen und Vorstellungen zu tun. Ich hatte wohl irhgendwie das Bild im Kopf, dass mich eine Million streunende Katzen direkt vom Bus abholen und zu einer der einheimischen Hütten führen….Oder so. Bettelnde verstümmelte Kinder  und verarmte Alte habe ich noch vergessen, um das Klischee perfekt zu machen.

DSCI1110Nein, es ist alles ganz normal. Die Leute sind supernett und ich total begeistert. Wir wurden in der alten Pinselfabrik (Fabrica de Pensula) schon zu einer Party erwartet und ich habe schon lange nicht mehr soviel am Stück getanzt. Eine Prager Band mit dem mehr als lustigen Namen “Vložte kočku“, zu englisch “Insert the Cat”hat ein Konzert gegeben zu dem ich gern noch getanzt hätte; allerdings sind wir genau in die Zugabe geplatzt. Musik aus der Konserve, Gay Queer Party, später eine Fortsetzung bei Old School Drum and Bass Musik im Boilers Club, der sich unter dem Gebäude befindet. Morgens halb vier,komplett nassgeschwitzt auf dem Weg zurück in den Bus war ich kaum in der Lage noch irgendwas zu bewegen. Der Club of bad Dancing wurde sehr erfolgreich ins Leben gerufen.

 

Tag 6 : Aufwachen um 11h. Der Bus schon halb leer- Wo ist die Crew hin? Warum ist es schon so spät und wieso habe ich so lang geschlafen? Das einzig Gute ist, dass Niemand sieht, wie ich mich Omastyle aus dem Bett quäle. Ich habe traurigerweise nicht mal Muskelkater, es sind wirklich die Knochen die mir weh tun.

Erstmal duschen. Dringend! Das geht auch nicht nur mir so. Danach in der kleinen Restgruppe, die sich zusammengefunden hat zu Fuss ins Zentrum. Ein bisschen was von der Stadt sehen. Stromleitungen quer über die Straße gehängt begleiten uns. Wir kaufen frisches Obst und Gemüse bei einem alten Paar, die ganz alleine einen Stand betreiben, der offenbar als letztes vom Markt über geblieben ist. Wir kommen an mehreren Statuen vorbei- es gibt unzählige Kirchen und ich staune über die vielen jungen Menschen. Wie schon vorab im Beitrag erwähnt hatte ich mir unter Rumänien was ganz anderes vorgestellt. Die Leute hier sprechen auch wirklich gut englisch. Ich habe nur einen alten Mann ohne Finger nach Geld bettelnd gesehen. Es gibt Cafes, Läden und fröhliche Menschen wie in jeder anderen Stadt auch.

Wir treffen unterwegs immer wieder Deutsche- Zumindest ein Klischee stimmt. “Alle” deren NC für ein Medizinstudium in Deutschland nicht ausreicht kommen hierher.

 

→// “Tourtagebuch- Tag 4: Budapest “

DSCI1107Das soll jetzt schon der 4.Tag sein? Das fühlt sich nicht real an. Ich bin jetzt an die Crew gewöhnt und kann mir auch gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne Zeitdruck und ohne “Weiterfahren” sein wird. EIn bisschen ist das auch die Angst, dass der Rest der Zeit so schnell ins Land ziehen könnte. Andererseits muss ich gestehen, dass aber auch der Kulturschock heute eingesetzt hat. Ich bin vom Input ein bisschen überrollt. Ich möchte alles wahr nehmen, alles mitnehmen und aus Allem etwas lernen. Aber die Zeit reicht einfach nicht aus dafür. Dinge, die mir selbstverständlich vorkommen, laufen hier einfach ganz anders. Man kann sich über das deutsche Rechtssystem aufregen und das Jobcenter verfluchen, aber hier habe ich die Chance zu sehen, wie es laufen kann, wenn es das nicht gibt. Ich lerne einiges wieder neu zu betrachten. In den letzten zwei Tagen haben wir eigentlich Niemanden mehr getroffen, der nur einen Job hat. Der Standard ist ein anderer. Und die Leute halten sich davon über Wasser, aber als Familie in einer Einraumwohnung zu leben ist nicht eben mehr als die  Ausnahme von der Regel. Die drittgrößte Stadt Ungarns ist London- die Menschen hier sind gut ausgebildet und schlecht entlohnt … Umso tmutiger empfinde ich die, die bleiben. Die ihr Land nicht verlassen, weil sie hier etwas aufbauen und verändern möchten und an die Menschen und das Potential ihrer Stadt glauben.

Budapest Art Quartier - Seht Euch diese Seite mal an- das kann für Jede(n)  spannend sein, der  an einem Austausch / Budapest interessiert ist.

Außerdem haben wir das Muzsi besucht. Ein vom Staat unabhängiges soziales Zentrum, das Workshops unterschiedlichster Ausrichtung  anbietet, Ateliers und Coworking Spaces beherbergt und gemeinsameVeranstaltungen initiiert. Sehr sehenswert und etwas Besonderes in dieser Stadt.

→// “Tourtagebuch- Tag 3: I am in love with Bratislava “

Worst Case >über die Einen kann ich lauthals lachen, egal ob sie mir oder Jemand anderem passieren. Wahrscheinlich einfach, weil sie als Comiczeichnung super lustig wären. Und dann gibt’s Fälle, die sind so ernst, dass ich mich nicht entscheiden kann, ob ich panisch hin- und herlaufen oder mich einfach unauffällig rückwärts vom Setting entfernen soll. Ich war gestern der Meinung, dass mir doofe Sachen passiert sind, aber als der Rest der Crew wieder am Bus war, ist klar geworden, dass deren Taxifahrer mit dem kompletten Equipment abgezogen ist.  Die Kamera, der Laptop &„ Ottilies komplettes Leben“ alles  weg!!! Und keine Möglichkeit den Taxifahrer wieder zu finden- der zudem versucht hat uns um 10€ zu bescheißen. Nicht so die sonderlich besten Voraussetzungen positiv zu denken; zumal wir spätestens morgens um 5Uhr weiter fahren mussten, um im Zeitplan zu bleiben.

In solchen Fällen habe ich ein generelles Urvertrauen darin, dass alles in Balance bleiben wird. Was Du nicht willst, dass man Dir tu….und so. Und ich dachte mir,es eine Sache ist Touristen abzuziehen (kann man ja auch unterhaltsam finden, wenn man möchte), aber eine Andere mit deren Zeug abzuhauen. Und siehe da- ein paar Stunden  Panik, Drama & Aufregung später, inklusive einer Auswertung der Überwachungskamera – da kommt er auch schon zurück. Umarmt, beschenkt und empfangen, wie ein Guru. Und davon natürlich total überfordert. Wir haben die Kamera wieder!!! Einer der roten Fäden der Tour: früh schlafen gehen ist nicht- egal, wie man es anstellt, es wird nichts vor 2 Uhr. An meinem Bett ist ein Brett locker. Ich habe die Nacht damit verbracht mich darüber aufzuregen. Oder davon zu träumen mich darüber aufzuregen. Aufgrund solcher Nächte bin ich natürlich latent müde. Die Straßen von Prag nach Bratislava fühlen sich an wie Feldwege. Ein einziges Hin- und Hergewackel, Abbremsen und Anfahren. Bei durchgehendem Regen. Was allerdings dann doch wieder die Geräusche der Lüftungsanlage im Bus erträglicher klingen lässt.

16:50h, Bratislava

DSCI1080Wir haben gegen 10h das Goethe Institut in Bratislava erreicht. Eine Institution über die man als Student bei der Stipendiensuche zwangsläufig stolpert. Meine vorgefertigte Meinung darüber von einem traditionsreichem und starren Gebilde, wurde allerdings sehr schnell widerlegt. Zumindest ist das hier so gar nicht der Fall. Wir sind sehr nett begrüßt worden und ich freue mich unglaublich darauf heute bei unserem Meeting um 18h noch mehr tolle Leute zu treffen. Bratislava als Stadt spricht mich wirklich sehr an. Wir hatten eine wundervolle Stadtführung. Das Essen hier ist preiswert und gut. Im Verhältnis zu Deutschland unglaublich billig. Natürlich. Die Einwohnerzahl enspricht ungefähr der von Leipzig, was ich als übersichtlich bezeichnen würde. Allerdings ist die Architektur natürlich eine ganz andere- Sozialistische Riesenbauten, die größte Plattenbausiedlich Europay neben kleinen Uralt-Gässchen und beindruckenden mittelalterlich anmutenden Burgen. Typisch- riesige Werbetafeln überall und viel Leerstand. Wunderschön heruntergekommende Ecken.

Ich bin überrascht, wie deutsch die Stadt ist. Ein bisschen fühlt es sich an, wie in Mallorca (gefühlt ein Außenbezirk Deutschlands, in dem eher deutsch als englisch gesprochen wird).

→// “Tourtagebuch- Tag 2: immernoch in Prag “

Gestern Abend waren wir in einer pragtypischen Kneipe zum gemeinsamen Essen mit den Leuten vom TechSquare verabredet. Ein interessantes Lokal mit Kellerräumen und dunklen rusikalen Holztischen. Zum Einen habe ich gedacht, dass ich verhungere, zum Anderen wollte ich mich an Neuartiges heran wagen. Die Speisekarte in Prag beinhaltet auf jeden Fall Einiges, von dem ich nicht auf die Idee kommen würde, dafür Appetit zu entwickeln zu können. In Essig eingelegter Käse. Ich hatte schon Angst, dass das schmeckt, wie es klingt. Wirklich!!!- Wider jeglicher meiner Erwartungen- sah jeder einzelne Teller super aus und ich war am Ende so glücklich vollgestopft, dass ich Angst davor hatte mich zu bewegen. Unfassbar lecker. Ich mag es wirklich zu essen und dieses Restaurant war ein Volltreffer. Soviel zum Vorspann… Nun zum heutigen Tag.

DSCI1047Nachts im Bus ist mir eingefallen, dass ich der Bedienung zwar noch nett lächelnd zum Abschied gewunken habe, aber irgendwie vergessen habe sie zu bezahlen. Sowas verschafft auf jeden Fall Karma-minus-punkte.  Und ich war sehr froh das wieder gut machen zu können. Prager Kellner haben zum Glück mehr Humor und Verständnis als man erwarten darf. Es gibt hier ein Projekt in Prag, dass ich sehr begrüße, insgesamt aber wohl kontrovers diskutiert wird- Obdachlose führen Touristen durch die Stadt und veranstalten eine Führung, bei der sie “ihre” Plätze zeigen. Das ist was sehr Persönliches. Wir haben Jan getroffen. Ein schüchterner Typ, ich denke sehr humorvoll in seiner Art- wir konnten uns leider mit Hilfe eines Übersetzers unterhalten. Das hat echt gut geklappt. Insgesamt denke ich, dass die Stunde Rundgang in einer kleinen Gruppe noch sehr viel “ergiebiger” gewesen wäre. Ich habe auch jetzt noch viele Fragen. Eine sehr interessante Erfahrung, die nicht darauf ausgelegt ist Mitleid zu erhaschen, sondern zu sensibilisieren. Ich finde es toll und möchte da zukünftig in Kontakt bleiben. Hier die Verlinkung zum Projekt:

Experience Prague through the eyes of homeless people

Schrüppe 4531km.euWie bei einer richtigen Klassenfahrt muss man ja mindestens einmal seine äh…Bezugsgruppe verlieren. Das kann ich dann auch schon von der Liste streichen. Ich wollte nach einem Essen über den Dächern der Stadt eigentlich nur kurz zum Bus, umpacken und dann den nächsten Programmpunkt ansteuern. Und dann steht man im Bus- menschenleer, leise, angenehm kühl- zack, lag ich auch schon in der Koje (nur mal schnell 10 Minuten die Augen zu machen und die Stille genießen). Als ich aufgewacht bin war es bereits Stunden später, bzw. auch schon zu spät. GhostBUS-ters.Wir haben Räder dabei. Nichts, was einem dabei hilft cool auszusehen und nicht ausgelacht zu werden, aber zumindest bergab ist man damit recht flott unterwegs. Sich in einer fremden Stadt verfahren kann ich auch von meiner personal to do list streichen.Und was Trauriges ist heute auch passiert- Das Mooney, wie ich sie heimlich und sehr liebevoll nenne- Jeanette ist heute abgereist. Das war zwar schon vorab klar, aber ist trotzdem etwas seltsam. Ansonsten kann man zur Gruppe eigentlich nur sagen, dass das super gecastet ist. Das läuft schon sehr familiär und entspannt ab. Doof ist bisher eigentlich auch nur die Angst sich zum Duschen an eine Schlange anstellen zu müssen. Bisher also nur Luxisprobleme!

 

→// “Tourtagebuch- Tag 1: Prag “

Schrüppe 4531km.euEin Tourtagebuch. Keine Ahnung, ob ich das tatsächlich durchziehe oder länger als eine Tag wirklich betreiben kann. Wir sind gestern Abend, bzw. heute morgen um ca. 1Uhr aus Berlin Mitte in Richtung Prag aufgebrochen. Zuvor gab es unsere kleine Abschiedsparty im Sankt Oberholz. Aus Angst im Bus über Nacht versehentlich zu verhungern, habe ich gefühlt den halben Rosenthaler Platz aufgegessen. Inga und Tosta waren da, um mich persönlich zu verabschieden und auf die Reise anzustoßen. Supercool.

 

Im Bus gab es noch organisatorische Dinge zu klären und danach ging es an die Bettenverteilung. Meins hat Panoramablick. YES! (Nicht, dass ich das nicht- wie für Deutsche typisch nicht schon vorab als >reserviert< markiert hätte)  Also zumindest theoretisch hat es einen Panoramablick. Praktisch gibt es ja Anschnallpflicht. Auch für uns “Bettlägerigen”. Also praktisch: man sieht gar nichts von dem, was sich über oder unter Einem stattfindet (Doppelstockbetten, unter mir nur Stauraum- so ungeschickt, wie ich mich ins Bett befördere auch lebensrettend). Ein bisschen Privatsphäre in unseren Schlafsärgen entsteht durch die kleinen Gardinen, die an jedem Bett zum Zuziehen zur Verfügungn stehen. Vorsorglich hatte ich mir Hörspiele und Hörbücher mitgenommen, die ich zum Einschlafen hören wollte. Ich wusste ja, schon, dass die Lüftung ganz schön laut sein würde und es auch ordentlich schaukelt. Naja, der Vorrat für 2 Wochen-  ich habe sie alle gehört. Es ist nicht einfach einzuschlafen. Daran ist der Mischung aus Aufregung, Übermüdung und dem Gefühl nicht allein zu sein geschuldet, denke ich.

Das war insgesamt sehr wenig Schlaf für die erste Nacht, der durch Schnarchgeräusche irgendwann auch engdgültig beendet wurde. Aus Gewohnheut einfach mal Rübertreten ist im Bus nicht die beste Idee die man dazu haben kann. Soviel dazu. Weil es so eng im Bus ist, hat man nichts so die Probleme aufzustehen und rausgehen zu wollen. Erstmal raus und einen Rundumblick riskieren. Auto, Züge, ständig Polzeisirenen und ab und zu mal nen Heli. Äh- wo bitte sind wir hier?!

Aber 30°C- der Hammer- Also wieder rein und erstmal die Hälfte der geplanten Klamotten abgelegt….Heute ist ein Tag ohne viele Programmpunkte. Ich will mal behaupten, dass das auch gut ist. Ich rede da nicht von mir, aber einige an Board haben mit den Spätfolgen des Auftaktsektes von gestern zu tun. Wir teilen uns auf- die Jagd nach Essbaren und einem Ort, an dem man Euros intschechische Kronen umtauschen kann zum einen und Projektbegleitende Aufgaben zur Tour zum anderen.

BysaFYBCcAAnm79In Zukunft wird es weniger Zeit geben, denke ich. Deswegen habe ich mich heute schon daran gesetzt die Tischdeko zu nähen- draußem an der Bierzeltgarnitur direkt an der Straße. Wir wurden mehrmals von vorbeilaufenden Grüppchen und vorbei fahrenden Autoinsassen gefragt, ob wir eine Band sind- und es sah wirklich ein bisschen so aus, als wäre das ganze Privatleben, was sich im Bus abgesammelt hat einfach davor auf die Straße gekippt. Aber so ist das halt auch, wenn man endlich wieder sommerhaftes Wetter hat.

 

TechSquareGegen 17.30h- naja, sagen wir plus 3-4 Stunden (gefühlt) waren wir im Techsquare verabredet- einem CO-Working Space-  wir haben uns als Mitglieder der Gruppe vorgestellt und uns danach in angeleiteten Gruppen zusammen gefunden und über die Art des Kennen lernens unterhalten- Hart- wenn man so schüchtern ist, wie ich, aber auch super lustig.     →//  “4351km- Party”

 

 

Tourauftakt

4351km  Farwell Party im Sankt Oberholz BerlinDie meisten Bands feiern ihren Tourabschluss -sozusagen ganz am Ende nochmal die Korken knallen lassen, bevor es dann mit den Augenringen in der Hand nach Hause geht. Wir machen das anders. Lieber frisch und gutaussehend starten wir unseren Tourauftakt. Unseren roten Bus mit seinem 0km-Stand, der im Laufe der folgenden 14 Tage dann ordentlich sammeln muss, um die glorreiche 4351 zu erreichen. Wenn der Busfahrer meine Orientierung hat, schaffen wir das schon in der Stadt. Wir wollen natürlich nicht alleine feiern. Klickt bei unserer Facebookveranstaltung auf “TEILNEHMEN” und kommt rum! Ich freu mich. Ich weiss noch nicht, was ich anziehe, vielleicht trag ich auch einfach nur Glitzer!