Der Spreewald, der Spreewald

Wir leben das Kreuzworträtsel

Ab und zu muss man einfach mal raus- die Nähmaschine und das aktuelle Projekte mal kurz vergessen und mal was Neues ausprobieren. Wir haben beschlossen, dass eine Kanufahrt genau das Richtige für uns wäre- nur hatten wir wenig bis keine Ahnung davon. Von Berlin aus leicht zu erreichen und preislich durchaus machbar- der Spreewald! ( Dank Null Strömung auch perfekt, um einfach mal auszutesten, was man ungeübt und ohne Vorkenntnisse so drauf hat) Da ich das organisieren musste- jetzt kann ich das ja mal sagen- war ich mir überhaupt nicht sicher, ob das alles so klappt, wie gewünscht.

1. Tag: der Captain hat Laune!

Wir kommen in Lübbenau an. Start und auch Ziel unserer 3-tägigen Kanurundfahrt. Wir freuen uns auf unberührte Natur, keine Menschen und alte Frauen, die in Trachten gekleidet kleine Gürkchen reichen….Der erste Schock sind die Massen an Touristen, die wohl mit der gleichen Absicht Lübbenau angesteuert haben. Und ihren gnazen Betrieb und körbeweise Schnaps mitgebracht haben. Kanuverleih an Kanuverleihstation. Die Richters wurden uns empfohlen- wir parken unser Auto in der letzten freien Parkbucht, oder…was wir dafür halten und stellen uns in der Schlange an. Nach einer kurzen Einweisung haben wir unser Hab und Gut in wasserfesten Packtaschen verstaut, sind auf dem Kanal und rammen auch schon fleißig alles, was uns entgegen kommt. Ein bisschen Angst habe ich schon, dass wir die Boote nicht im Ganzen wieder abgeben können- wir einigen uns vorsichtshalber schon einmal auf eine Wildunfallstory. Es dauert ein paar Kilometer, aber dann haben wir unser erstes Etappenziel erreicht: wir sind allein. Die nächsten Stunden verbringen wir allerdings damit uns zu fragen, ob das daran liegen könnte , dass wir falsch abgebogen sind.  Die angeblich flächendeckend gute Beschilderung im Spreewald entpuppt sich als Gerücht.

Wir erreichen Burg und führen vor, was eine Punktlandung ist: Unser Zelt steht zusammen gebaut auf der Wiese des Landgasthofes „Zur Wildbahn“, als das Gewitter los bricht. Es gießt in Strömen. Es donnert und blitzt, dass selbst der Hund sich ängstlich zu mir setzt. Wir stellen uns bei einer Grillgemeinde unters Dach und können entspannt und satt zusehen, was passiert, wenn man erst später eintrudelt…

2. Tag: Gute Laune, trotz Schmerzen!

Der Landgasthof hat einige Gehege mit Tieren, auch wenn ich bis zum Schluss nicht sicher bin, ob ich vor Schafen oder Ziegen stehe. Seltsame Rasse. Ansonsten gibt es noch ein Bullenkalb, zwei Schweine, Kaninchen und den Hund. Alles sehr idyllisch und wie die meisten Grundstücke hier- super ordentlich und gepflegt. Für uns gehts weiter-

Wir entwickeln uns. Wenn Inga und ich auf einer Seite des Kanus wie blöde paddeln, dann kommt es vor, dass wir es tatsächlich schaffen dem Flusslauf zu folgen und nicht einfach nur rasant in die Uferböschung krachen. Ich staune mehrmals darüber, wie stabil unser Stück Plastik ist. Dank Matze, den wir am Vorabend kennengelernt haben, fahren wir einen Insidertipp an, der nicht auf unserer Karte verzeichnet ist. Einen Badesee.

Den Weg dorthin erkämpfen wir uns hart. Touristische (Wasser-)Hauptstraßen erkennt man daran, dass Wildenten so zahm sind, dass sie sich von Booten nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir sind definitiv in weniger befahrenden Gegenden. Das Kraut wächst hier so dicht, dass wir uns daran abstoßen können. Aber wir finden den Weg und von meinen drei Urlaubszielen (Pferde sehen, was Totes finden, Gurken essen) kann ich die Pferde schon mal runter streichen.

Nach einer Stunde in der brütenden Hitze am See soll es zurück gehen. Schilder gibt es keine und irgendwann ist uns klar, dass wir stundenlang irgendwo lang gepaddelt sind, aber nicht den Heimweg erwischt haben. Natürlich nur, um zu testen ab wann bei Muskelkater, Blasen und Hunger die Frusttränen fließen.

Uns bleibt nichts irgendwann nichts anderes übrig, als anzulegen und nach zu fragen. Wieder in bekannten Gewässern, kann ich dann auch Punkt Zwei abhaken- ein totes Badebunny schwimmt eine Weile mit uns. Selfietime, hinter uns Kanustau. Am Zelt angekommen sind wir so ziemlich direkt eingeschlafen. Die nächtliche Kahnfahrt, die wir so gern gemacht hätten….keine Ahnung, ich habe tief und fest geschlafen. Wenn ich mich gedreht habe, bin ich aufgewacht, weil mein Muskelkater so geschmerzt hat.

3. Tag: Hauptsache der Hut sitzt!

Montags ist Ruhetag! Das sieht man bei den Restaurants, das merkt man auf dem Wasser. Das sieht man  im Landgasthof. Wunderbare Ruhe. Nur begleitet von den Libellen treibt unser Boot nach Leipe (nicht, ohne dass wir ENDLICH die Kanurutsche zweimal ausprobiert hätten). Aber wir finden auch einen der Stände am Wasser- man klingelt sich den Standbetreiber mithilfe einer kleinen Glocke heran und kann anschließend direkt im Boot dinieren.

Zwei Minuten vor Ladenschluss geben wir das Boot ab und machen uns auf den Rückweg, denn was darf in keinem Urlaub fehlen ?! Ein Besuch bei Cake and Coffee in der Samariterstr. natürlich!