Inspiration

Anstoß zu der Idee meiner Kollektion sind die Bilder des belgischen Surrealisten und Malers René Magritte. Mich hat seine Beharrlichkeit und das Unaufgeregte, diese nachfragende Haltung in seinen Werken beeindruckt. Seine Malerei ist nicht spektakulär oder sofort eingängig, wirkt auf mich teilweise sogar sehr beiläufig, hat mich aber nachhaltig zu genauerem Hinsehen motiviert.
Ich habe verschiedene Bücher über die Werke R. Magrittes, Analysen seiner Bilder gelesen und Bildbände angesehen- danach hat es mich interessiert, ob ich seine Arbeitsweise auf eine Modekollektion übertragen kann. Meine Semesterarbeit ist der Versuch sowohl einer Übersetzung seiner Herangehensweise in ein anderes Medium, als auch der Versuch einer Weiterführung ( bildliche Verwendung von Alltagsgegenständen  sind hier die Verwendung von Alltäglichem Material)

Um den Künstler Magritte näher zu bringen, habe ich folgend einige Stellen zitiert. Dabei liegt der Fokus nicht auf der Vollständigkeit. Mir besonders wichtige und für die Erarbeitung der Kollektion wichtige Stellen sind durch einen dicken Schrifttyp kenntlich gemacht.

 

Die verbotene Reproduktion

Über die Sichtbarkeit des Denkens
von Ralf Konersmann, Fischerverlag, 1991, Deutschland

InspirationS.8 …Es ist dieses Interesse und diese Fähigkeit noch am Kleinsten und Belanglosesten das Außerordentliche aufzuweisen, die auch auch Magritte bewegten. Gerade in den zwanziger und dreißiger Jahren trug Magritte seine Leitmotive zusammen und entwickelte jenen Stil geradezu unzeitgemäßer Realistik, der für viele seiner Arbeiten zeitlebens bestimmend bleiben sollte.

S.6. …Nichts ist selbstverständlicher, als vor einem Spiegel zu treten – und nichts ungeheuerlicher, als diesen Blick im Spiegel mit einem Mal nicht erwidert zu sehen. Jäh zerfällt die Ordnung , die uns eben noch so vertraut , so verläßlich und so ungreifbar schien.

(…) die Unscheinbarkeiten des Alltags entdeckte.
(…) Aufmerksamkeit dem Unauffälligem und Beiläufigen zuzuwenden, (…)
(…) Erkundungen des Alltags (…) Fragestellungen wurden entwickelt, die man dahin als nebensächlich angesehen und deshalb zumeist übergangen hatte.
(…) ,am Besonderen das Allgemeine, am Einzelnen das Grundsätzliche auf[zu]weisen.

So fand das Prinzip bald Anwendung in der Betrachtung und Beurteilung kultureller Gegenstände überhaupt und Simmel selbst ging voran (…)

S.12 … Sie betrifft nicht nur die Motive, sondern auch das Verfahren: die Bilder Magrittes sind so wenig wie die Erzählungen und Berichte Poes phantastisch oder irrational, wie eine gute Fabel oder, um einen Fachausdruck zu gebrauchen, wie ein perfekter plot sind sie vielmehr exakt kalkuliert.
Und wie eine gute Detektivgeschichte demonstrieren sie, daß man die wohnte Ordnung des bürgerlichen Daseins nur um ein Geringes- und sei es- wie in unserem Fall, nur um die Wendung eines Blickes– zu verändern braucht, um die soeben noch intakte Ordnung zerfallen zu lassen.

S.14…Sie zeigen eine Welt gestörter Vertrautheit, eine Welt des Zerfalls, in der sich Dinge verselbstständigt und alles Leben aus ihrer Umgebung vertrieben haben.
„Meine Kunst gilt nur insofern etwas, als sie sich der bürgerlichen Ideologie widersetzt, in deren Namen man das Leben auslöscht.“ (M. 1935)

–> theoretischer Ausgangspunkt seiner Arbeiten –> malender Philosoph
Seine Bilder tragen die Revolte im Detail. Doch man täusche sich nicht, sie begründen eine Welt jenseits von gut und böse.

S.14….D. Diderot 1972 Veröffentlichung einer Geschichte, deren Titel den Inhalt widerrief

S.15 …fragt nach der Grenze zwischen Realität und Fiktion, nach dem Verhältnis von Erlebnis, Erinnerung und Erzählung

S.17 Differenz zwischen der Welt und dem Abbild; zwischen der Welt des Bildes und der Welt der Dinge sich variantenreich erörtern lässt.

S.18 Konflikt zwischen Text und Bild
„Lassen sich die Ansagen anzweifeln?“

S19….Magritte lehrt uns das Zögern
…davon lebt, daß das naive Bildersehen bestätigt und doch zugleich auch abgewiesen wird.

S.20/21…Die Malerei privilegiert das Sehen, und wenn sie das Denken thematisiert, so macht sie sichtbar. (…) indem sie das Spiel der Bedeutungen in Bewegung hält, ohne das kein Zusammenhang und kein Einzelnes zu erkennen wäre.

S.21…(…) gewinnen [ihre] Gegenstände eine ungesehene, ungekannte Idendität. Zugleich aber lassen sie das Bild zerfallen, nämlich in die sinnlich- rohe Demonstration dessen, was es zeigt, und den Gedanken, den es formuliert.
Magrittes Arbeiten gleichen Vexierbildern, die zwischen Gegenständlichkeit und Gedanklichkeit springen, ohne daß eine dieser beiden Einstellungen endgültig die Oberhand zu gewinnen vermöchte.

S.26… Das Bedürfnis Dinge zurecht zurücken, läßt eine Geschichte entstehen.
S.27… (…) die Bestätigung der Normalität und, untrennbar damit verbunden, ihre Zerstörung.

S. 33/34…(…)beruht gerade nicht auf der Montage möglichst stark differenzierender Elemente. Sie verdankt sich vielmehr einem oft nur sehr geringfügigem Eingriff, also einer bloßen Umkehrung, z.B. von Licht und Schatten, einer Negation, einer Auslassung, einer Materialveränderung, einer Verschiebung der Proportionen, ja dem bloßen Verdecken eines Gegenstandes, den wir normalerweise stark betrachten, etwa das Gesichtes.
Magritte zwingt also nicht das Entlegenste zusammen, sondern bleibt der Alltagserfahrung nahe.

S.36…(…) läßt er die Dinge ihren stillen Aufstand proben.
S.37…(…) Der Effekt des Bildes gewinnt gerade dadurch, daß der Handlungsrahmen, die Situation denkbar alltäglich ist (…).
S.61/62…(…) Die Ähnlichkeit, von der Magritte spricht, also die demonstrative Anpassung der Malweise an die geläufigen Sehgewohnheiten, ist jedenfalls nur ein Mittel zum Zweck.
„Was man malen muß, ist das Bild der Ähnlichkeit- wenn das Denken in der Welt sichtbar werden soll.“(…)Seine Aufmerksamkeit gilt dem, was eine kalkulierte Konfusion in der Ordnung der Dinge und im Ablauf der Ereignisse- im Spiegeln des Spiegels- anzurichten vermag.
Dabei geht es weder um Ausdruck noch um Darstellung. Es geht, mit einem Wort Magrittes, um EVOKATION, um das Hervorrufen verborgener Vorstellungen, um den unmittelbaren Aufweis des Unsagbaren, des Ungesehenen und Unsichtbaren am Sichtbaren, ohne dabei das eine oder andere vorzuziehen. „Das Bild ist getrennt von dem, was es zeigt.“

S.62… „Von dem Bild strahlt eine Geschichte aus oder ein Entwurf zu einer Geschichte oder eine Frage nach den Zusammenhängen, in denen das Bild stehen mag.“ (Wilhelm Schapp, Phänomenologe)
„Was zählt, ist eben dieser Moment der Panik und nicht eine Erklärung derselben.“ (M.) Es gibt die Geschichte gar nicht, die die Augenblicklichkeit des Bildes in Form eines Textes wiedergeben vermöchte.

S.63 Magritte erleuchtet die Welt, aber er verklärt sie nicht.(…) Der entstellte Blick des malenden Philosophen will auch enthüllend sein. (…) Magritte zeigt Funktionsbeziehungen, indem er sie unterbricht. Das hat einmal eine theoretische, den Grundlagen und Voraussetzungen unseres Weltverständnisses nachfragende Dimension, sodann aber auch eine Kritische.
(…) Was uns [damit] gezeigt wird, ist mit einem Blick zu erfassen. Magritte geizt hier wie fast auf all seinen Bildern mit Einzelheiten und gestattet dem Betrachter die Konzentration auf einen Sachverhalt, den er darstellt:(…)Unsere Erwartungen (…) wird enttäuscht. So einfach uns diese Manipulation zunächst auch erscheint, sie wirft doch eine Reihe von Fragen auf, die eindeutig zu beantworten um so schwieriger wird, je beharrlicher wir nachfragen.

S.64… Wir sehen und wir erkennen, und doch gewinnt unser neugieriger, vergleichender, ordnender, schließlich identifizierender Blick keine Eindeutigkeit.

MAGRITTE, KESTNER GESELLSCHAFT HANNOVER, 1969

S.15 „Ich habe weder interessante Ideen, noch außergewöhnliche Gefühle und ich sehe nur, was jedermann sieht(…) Ich sehe nichts Unsichtbares, wie die Menschen, die Visionen haben.“

René Magritte, Dies ist keine Pfeife

 


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