Kolloquium „Qualitative Forschung“ Berlin

Forschungskolloquium

Ich war am Wochenende zum ersten Mal auf einem Forschungskolloquium. Das wurde ehrenamtlich von den StipendiatInnen Gloria und Birgit aus der Studienstiftung des deutschen Volkes organisiert und hat sich vorwiegend an Masterstudierende und Doktoranden gerichtet. Die Idee dieses (mittlerweile 5.) Treffens ist die gegenseitige Präsentation und Besprechung der Forschungsprojekte. Das ist unglaublich lehrreich und spannend. Ort der Begegnung- auch superschön gewählt: das Wettbureau in der Prinzenallee 74, ein Raum für Begegnung und Veränderung digital-sozialer Fragen. Ich habe es verlinkt, weil ich denke, dass diesen Ort zu kennen eine Bereicherung sein kann.

Es sind am 9./10.06.2017  sehr unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Fachrichtungen und Orten zusammen gekommen. Wer denkt, dass so eine Veranstaltung total steif sein muss, dem kann ich nur empfehlen unbedingt einmal daran teil zu haben. Das kann man übrigens auch als Nicht-Stipendiat der Studienstiftung. Und wie in unserem Fall mit Kind und Kegel, was die Situation generell total entschleunigt hat.

Aus den Bereichen Politik, Mathematik, Erziehungswissenschaften, Geschichte, Ethnologie und und und- bunt gemischt-  sind 21 Leute zusammengekommen, um an zwei Tagen in drei Gruppen zu präsentieren und zu besprechen. Es gab die Unterteilung in qualitativer und quantitativen ForscherInnen. Und unsere Gruppe: die einen noch undefinierten, anderen oder Mittel-Weg gewählt haben. Belgeitet wurde das Ganze von zwei Köchen, die so unglaublich gut waren, dass ich mit anderthalb Kilos mehr auf den Hüften nach Hause gefahren bin, obwohl ich schon das Gefühl hatte, mich sehr zurück zu halten…

Forschungskolloquium

Wie erwartet, war ich die Einzige aus dem dem praxisnahen Fach Mode/Textil und dementsprechend aufgeregt meine unfertige Arbeit vorzutragen. Ich war auch sprachlich sehr unsicher, weil ich mich sehr wenig mit Texten und Worten beschäftige (Wobei ich dazu muss, dass ich auch noch in drei anderen Fachbereichen studiere und einfach ungenügend vorbereitet war).
Ich möchte aber trotzdem Jedem Designstudenten Mut machen, sich dem trotz aller Bedenken zu stellen. Es ist unglaublich bereichernd konstruktive Kritik von Leuten zu erhalten, die sich schon jahrelang mit Methologie und Datenerhebung auseinander gesetzt haben. Man kann das auch so sehen, dass man sich im Austausch bereichert. Selbst, wenn man da nicht in die Tiefe gehen möchte oder muss, hilft das Präsentieren eigener Arbeiten wirklich sehr, was die Strukturierung und Gültigkeit des Projektes angeht. In Kunst und Designstudiengängen  kann man Wissenschaftlichkeit meist leicht leicht umgehen, weil der Schwerpunkt des Studiums anders gelagert ist. Ich denke aber, dass man sehr viel mehr Anknüpfpunkte und Verständnis für den eigenen Fachbereich schafft, indem man sich der Wissenschaftlichkeit zuwendet (oder sie zumindest nicht komplett ausschließt).

Aus meiner eigenen 90 minütigen Präsentation habe ich fast 2 vollgeschriebene Seiten mit Hinweise und Fragen für mich mitnehmen können, die ich in den nächsten Tagen Schritt für Schritt abarbeiten werde. Ich bin in meine Projekte ab einem bestimmten Punkt so vertieft, dass ich für diese Draufsicht sehr dankbar bin. Kein Professor kann in einer kurzen Konsultation soviele Perspektiven einnehmen, wie man sie hier an einem Tisch vorfindet. Das Zuhören bei den anderen Präsentationen war ebenfalls total spannend für mich. An der ein oder anderen Stelle hatte ich starke Verständnisprobleme, aber ich konnte da auch drei mal nachfragen, habe Literaturtipps, Leitfäden und neue Begriffe an die Hand bekommen, die ich nun anpassen kann.

Ich würde mich zukünftig über Modemenschen und Textiler bei solchen Gelegenheiten freuen. Deren fehlende Präsenzfällt mir manchmal schon sehr auf.