Werkstattschnipsel, die 8

Berlin.

Patrick Mikulski Berlin

Machen wir uns nichts vor – Filme schneiden dauert  immer dreimal länger, als man plant oder, wie in unserem Fall: wir Zeit dafür haben. Ich wusste also insgeheim schon, dass es eine lange und anstrengende Nacht werden würde. Zumal Patrick und ich da auch mit zwei ganz verschiedenen Ansprüchen rangehen und erst den gemeinsamen Nenner finden müssen. Und uns gegenseitig ziemlich gut ablenken können…
Und das Ganze nun auch noch unter extremem Zeitdruck.  Ich habe mir den billigsten Bus gebucht und bin von Leipzig nach Berlin gefahren. Ich bin nicht mal 24 Stunden vor Ort und Patrick arbeitet auch am Wochenende. Das sind die Rahmenbedingungen trotz denen das zustande kommen soll. Der Irrglaube fehlenden Schlaf im Bus nachholen zu können, legt sich bei mir trotz etlicher Versuche nicht.

Ich bin also schon ziemlich übermüdet in Berlin angekommen. Erstmal was essen, dann zwei Flaschen Mate trinken und in Patricks Büro in den Werkstatttraum. Nach der elendigen Suche nach einer geeigneten Musik,  geht es weiter an die Durchsicht der (bereits vorab ausgewählten via Mail geschickten) Sequenzen, die wir unbedingt im Film haben wollen und das Ausprobieren einer sinnigen Anordnung. Wir bereuen wiederholt uns beim Dreh nicht strikt an ein Drehbuch gehalten zu haben. Und beim Dreh Keines gehabt zu haben…

ttt_Werkstattraum BerlinEs ist bereits nachts um 3 Uhr, als wir einsehen, dass wir heute die Welt wohl nicht mehr aus den Angeln heben. So wie auf dem Foto sehen wir übrigens nachts um drei aus. Ich weiß gar nicht, ob mich meine Augenringe oder meine ungewaschenen Haare mehr stören. Es fehlen eigentlich nur noch drei vier Katzen, um das Bild komplett zu machen. Aber gerade steht einfach alles hinten an.

Am nächsten Morgen um 8h soll es weiter gehen. Es ist recht stürmisch draußen und u. a. ist es Bambusmobilee, was mich mit unermüdlichem Geschepper wach hält- das stört den Wecker nicht im mindestens. Mehr oder weniger stehe ich uns Beide auf und dann gehts auch schon weiter.
Was meiner Meinung nach noch eine extra Erwähnung verdient, ist die Tatsache, dass Mikulski sich seit unserer letzten Zusammenarbeit angewöhnt hat, die Musik, die genutzt wird in der Loopfunktion zu hören. Durchgehend. Ununterbrochen. Hörbar. Und sich daran nicht stört. Ich fühle mich nach 8 Stunden sehr sehr sehr gehirngewaschen. Aber die Story steht.
Nur noch der Feinschnitt, die Credits, die Schriftwahl, die Farbanpassungen, eine Million Stunden Rendern. Das ist sowieso das Hobby aller Schnittprogramme …